Christopher Kas im Interview über den „Tennis-Hotspot-TCG“: „Schritt in Bundesliga wagen“

Christopher Kas, Teammanager der Zweitliga-Herren des TC Großhesselohe, spricht im großen Jahres-Interview des TCG über die Verpflichtung des Weltklassespielers Florian Mayer, über Ziele der Herrenmannschaft und über den neuen Tennis-„Hotspot“ in Großhesselohe.

Zuletzt hat der TC Großhesselohe mit der Verpflichtung von Florian Mayer aufhorchen lassen. Wie kam es dazu?

Christopher Kas: Flo und ich kennen uns schon sehr lange, wir haben zusammen Davis Cup und Doppel gespielt. Flo wusste, dass ich in Großhesselohe involviert bin und hat einfach mal aus Interesse angefragt. Ich glaube, es war zunächst gar nicht so ernst von seiner Seite her. Er hat mit dem Gedanken gespielt, wieder in München zu spielen und wollte einfach mal hören, was es für Möglichkeiten gibt. Ich war sofort total begeistert, wusste aber nicht, ob das realisierbar ist. Ich habe dann mit unserem Präsident Dr. Bernard Eßmann gesprochen, er war von der Idee genauso angetan wie ich. Wir haben es dann geschafft, die Verpflichtung innerhalb von zwei Tagen zu realisieren. Wir freuen uns unglaublich, Flo im Club zu haben. Das untermauert die Ambitionen, die wir für nächste Saison haben.

Was erwarten Sie von ihm in der 2. Bundesliga?

Kas: Wir wollen den Druck auf Flo nicht unnötig erhöhen. Es ist nicht so, dass wir erwarten, dass Flo auf den Platz geht und jedes Spiel 6:2, 6:2 gewinnt. Dafür ist die Liga dann doch zu stark. Er wird auch schwere Matches haben, das ist klar. Aber wir werden uns gut fühlen, wenn Flo an Nummer eins spielt. Mit seiner großen Erfahrung wird er eine Führungsrolle übernehmen. Er ist der bekannteste und beste Spieler in der 2. Bundesliga und einer der beliebtesten Spieler auf der Tour. Es war die Kombination seiner Persönlichkeit und seiner sportlichen Möglichkeiten, die den Ausschlag gegeben hat. Dazu kommt, dass er in München wohnt. Wir hoffen, dass wir damit den einen oder anderen Zuschauer begeistern können.

Sie gehen also davon aus, dass der Name Florian Mayer mehr Zuschauer zu den Heimspielen lockt?

Kas: Ja, das erhoffen wir uns. Es gibt in der absoluten Spitze nicht mehr so viele Spielertypen, die variabel spielen, die auch mal einen Stopp einstreuen oder ans Netz gehen. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen und wir hoffen, dass der eine oder andere Zuschauer mehr vorbeikommt.

Wie regelmäßig wird Mayer zum Einsatz kommen?

Kas: Wir haben von beiden Seiten aus vereinbart, dass er drei Mal spielt. Es ist aber durchaus möglich, dass er noch das eine oder andere Spiel mehr macht.

Vermutlich wird er vor allem in den Heimspielen zum Einsatz kommen?

Kas: Natürlich wollen wir ihn gerne zu Hause präsentieren. Aber wenn wir ein schweres Auswärtsspiel haben, scheuen wir uns auch nicht, ihn dort einzusetzen. Dafür sind wir sportlich zu ambitioniert.

Der Schweizer Davis-Cup-Sieger Marco Chiudinelli ist nach wie vor im Team, mit Andrey Golubev und Gianluigi Quinzi kamen zwei weitere starke Spieler hinzu. Nehmen Sie die Favoritenrolle an?

Kas: Dieser Rolle werden wir uns nicht entziehen können. Wir haben die Ambitionen, ganz vorne mitzuspielen. Daraus braucht man bei unserer Aufstellung kein Geheimnis zu machen. Aber natürlich ist so ein Aufstieg nicht planbar. Die Jungs spielen alle zwischendurch ihre Turniere An manchen Spieltagen wird man dann schauen müssen, wie es aussieht. Auch bei dem Zählsystem mit Champions-Tiebreak im dritten Satz gibt es keine Garantien, dass man die Spiele gewinnt. Aber wenn wir eine starke Saison spielen, viele Zuschauer kommen und wir am Ende Zweiter werden, weil wir vielleicht ein Spiel unglücklich verloren haben, dann war es trotzdem eine tolle Spielzeit. Es ist nicht so, dass wir unser Wohl und Wehe mit dem Aufstieg verknüpfen.

Der TC Großhesselohe spielt seit vielen Jahren in der 2. Bundesliga, diese wurde immer als ideale Liga für den Verein genannt. Wie kam es dazu, jetzt den Aufstieg anzugehen?

Kas: Im letzten Jahr wollten wir ambitioniert mitspielen und waren dann am Ende näher dran, als wir alle gedacht hatten. Ich glaube, da haben wir alle ein bisschen Blut geleckt. Wir haben Jungs wie Lucas Miedler oder Kevin Krawietz, die das Potenzial haben, in der Bundesliga zu spielen. Den Anstoß hat dann Bernard Eßmann gegeben, worüber ich sehr froh bin. Mit seiner persönlichen Motivation und seinen Kontakten hat er die Rahmenbedingungen geschaffen hat, dass wir das so machen können.

Denken Sie, dass das Team jetzt schon erstligatauglich wäre?

Kas: Wir haben die Rahmenbedingungen geschaffen, dass wir den Schritt in die Bundesliga wagen können. Wenn die jungen Spieler sich so entwickeln, wie ich mir das erhoffe, dann hätten wir in eineinhalb Jahren die Möglichkeit, mit größtenteils diesem Kader in der ersten Liga zu spielen.

Bleibt es trotz der Verpflichtungen bei der Vereinsphilosophie, vornehmlich auf junge, deutsche Spieler zu setzen?

Kas: Daran ändert sich nichts. Wir haben Kevin Krawietz und Marek Jaloviec, der zwar für Tschechien spielt, aber in München aufgewachsen ist. Marcel Zimmermann ist zwar kein junger Spieler mehr, aber eine absolute Stütze unserer Mannschaft. Dazu kommt mit dem 16-jährigen Leopold Zima eines der größten deutschen Talente. Wir setzen also weiterhin auf deutsche Spieler.

Auch das Damen-Team spielt in der 2. Bundesliga, die Herren 30 sind ebenfalls in der Bundesliga. Kann Großhesselohe ein „Hotspot“ im deutschen Tennis werden?

Kas: Vom Namen her ist das Großhesselohe schon. Egal wo ich in Deutschland bin, der TCG ist in aller Munde. Leo Benz hat die 1. Herrenmannschaft über viele Jahre hervorragend in der Bundesliga positioniert. Wir haben ihm viel zu verdanken. Bernard Eßmann hat diese Philosophie dann mit den 1. Damen und den Herren 30 weiter ausgebaut. Ich spiele übrigens selbst bei den Herren 30 nächstes Jahr und werde versuchen, meinen Teil zu einer erfolgreichen Saison beizutragen.

Sie sind also aktiver Spieler und Teammanager in Großhesselohe und als Trainer mit Mona Barthel auf der Tour unterwegs. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Kas: Mona hat natürlich Priorität. Aber wenn ich es mit ihrem Turnierplan vereinbaren kann, werde ich bei einigen Spielen der ersten Mannschaft vor Ort sein. Ich coache die Jungs ja nicht. Das macht nach wie vor Maximilian Wimmer sehr gut. Um die Herren 30 kümmert sich Jaro Becka. Wenn ich mal Zeit habe, mich fit fühle und er mich braucht, dann spiele ich natürlich gerne.

Das Gespräch führte Christian Stüwe